Online-Meeting zum Beteiligungsportal Ländlicher Raum, am 11. Januar 2023

Bericht. „Alles, was wir brauchen, ist vorhanden.“

In der Ländlichen Region gibt es viele kluge Köpfe, die wissen, was notwendig ist, um die dortige Grundversorgung, Erreichbarkeit, Strukturpolitik und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu verbessern. Dieser Meinung ist Claudia Thannheimer, die seit 2021 Leiterin des Referats Grundsatzfragen Ländlicher Raum im Ministerium für Ernährung, Ländlicher Raum und Verbrauchschutz Baden-Württemberg ist. Deshalb setzt das Ministerium auf einen Online-Beteiligungsprozess (unter https://beteiligungsportal.baden-wuerttemberg.de/de/mitmachen/lp-17/integrierte-politik-fuer-den-laendlichen-raum/ihre-meinung), um die Vor-Ort-Erfahrungen zu nutzen. „Alles, was wir brauchen, ist vorhanden: in den Köpfen“, betonte die Fachfrau. Sie stellte sich in einem Online-Meeting gerne den Fragen des Grünen Sigmaringer Kreisverbands und nahm Anregungen aus der Runde entgegen. Ziel sei es, alle Anregungen unter einem Dach zusammenzuführen, um ein Gesamtkonzept zur Entwicklung der Ländlichen Räume zu erstellen. Ein solches Konzept ist auch im Koalitionsvertrag verankert.

Angesprochen auf den demografischen Wandel und den Fakt, dass oftmals Witwen oder Witwer in großen Häusern leben und junge Familie keinen passenden Wohnraum finden, verwies Claudia Thannheimer darauf, dass Wohnformen entworfen werden sollten, die zukunftsfähig sind. Sie sah dabei die Kommunen in der Pflicht, dies planerisch zu ermöglichen. „Gute Beispiele sind notwendig, über die dann auch gesprochen werden kann“, so Thannheimer. Das MLR halte Informationen für „Junges Wohnen“ bereit. Das seien Musterprojekte für Azubis oder Fachkräfte, um in einer Form gemeinschaftlichen Wohnens oder in Mehrfamilienhäusern Platz zu finden.

Es gehe auch darum, Interessen auszugleichen, indem man sich gegenseitig helfe, so die Anregung aus der Runde, denn viele wünschten sich Veränderungen, aber hätten vielleicht keine Kraft oder Energie, dies umzusetzen. „Wir müssen dafür sorgen, dass Menschen Ideen haben und Wege aufzeigen, wie man diese umsetzen kann“, so die Beamtin des MLR. Dabei komme den MandatsträgerInnen in den Kommunen eine große Rolle zu. Es gelte herauszufinden, welchen Bedarf die einzelnen Interessengruppen haben, um Lösungen zu finden.

In der Runde wurde auch auf die Schwierigkeit hingewiesen, die Jugend an Prozessen mit zu beteiligen. Claudia Thannheimer riet dazu, nicht zu vorauszusetzen, Jugendliche über einen längeren Zeitraum in Strukturen einzubinden. Sie sieht eine kürzere Aktionszeit für realistisch, da junge Menschen oft nach ihrer Schulausbildung die Region verlassen. Sie habe in ihrer Gemeinde beispielsweise mit Erfolg ein Bürgermeister-Wahlforum in den Schulen angeregt. Dadurch hätten sich die jungen Menschen mit den zu Wählenden befasst, den Eltern davon erzählt und letztlich erreicht, dass diese zum Wählen gegangen seien. Man müsse auf alle Fälle Jugendbeteiligung immer mitdenken und auch einfordern.

Das ähnliche Problem betreffe jedoch auch Erwachsene. In Österreich gebe es für diese Personen den Begriff „Multilokale“, die an unterschiedlichen Orten arbeiten und leben. Zum einen sei auch ein stundenweises Engagement erfreulich und zum anderen halte sie es für bereichernd, wenn man nicht immer mit den gleichen Leuten zum Diskutieren an einem Tisch sitze, sondern sich der Kreis variabel zusammensetze, je nach Verfügbarkeit der einzelnen Personen.

Aus den Anregungen, die das MLR aus Verbänden und dem Beteiligungsportal erfahre, gelte es, eine inhaltliche Strategie zu entwickeln. Diese spiele dann eine Rolle für die Förderkulisse. Deshalb motivierte Claudia Thannheimer, sich mit Anregungen zu beteiligen. Man dürfe diese auch gerne direkt an sie per Mail richten unter claudia.thannheimer@mlr.bwl.de.

Isabell Michelberger