Standpunkt. Zum Windkraftausbau.

„Ich befürworte den Bau der geplanten Windkraftanlagen im Wald zwischen Sauldorf und Wald.“

Warum ich Windkraft befürworte:

* Wir brauchen Energie – und künftig noch mehr. Niemand möchte auf Kühlschrank, Licht, Waschmaschine und andere alltägliche Annehmlichkeiten verzichten. Die dafür benötigte Energie muss auch produziert werden.
* Windkraft ist eine saubere Form der Energiegewinnung. Bei der Stromerzeugung entstehen weder CO₂-Emissionen noch radioaktive Abfälle.
* Windkraft ist hinsichtlich Flächenverbrauch, Umweltverträglichkeit und Ertrag eine effiziente Form der Energiegewinnung.
* Regionale Energieangebote sind ein wichtiger Standortfaktor. Nur wenn vor Ort ausreichend Energie zur Verfügung steht, werden sich auch künftig Unternehmen und Investoren für Wald interessieren.
* Die Gemeinde kann wirtschaftlich profitieren. Bei konstruktiven Verhandlungen mit den Waldbesitzern kann die Gemeinde Wald wichtige finanzielle Unterstützung erhalten oder Angebote für preisgünstigen regionalen Strom aushandeln.
* Ein konstruktives Miteinander schützt auch den Zugang zum Wald. Mit starken Protesten gegen das Projekt besteht die Gefahr, das Wohlwollen der Waldbesitzer zu verlieren – und damit möglicherweise auch den Zugang zum Wald und zum Trimm-dich-Pfad.

Die Argumente, die auf dem Flugblatt gegen das Projekt aufgeführt werden, sind aus meiner Sicht teilweise überholt, größtenteils widerlegt, einseitig dargestellt und teilweise populistisch.

Auch das sollte jeder wissen:

  1. Gesundheit

A. Infraschall

Infraschall bezeichnet Schall unterhalb von 20 Hz, der für Menschen nicht unmittelbar hörbar ist. Er entsteht bei zahlreichen technischen Anlagen und auch im Alltag.

Bei einem Wohnhaus in einem Abstand von 1.000 Metern von einer Windkraftanlage kommt demnach eine vergleichbare Infraschallbelastung an, wie durch einen Kühlschrank. Auch eine dreieinhalbstündige Autofahrt verursacht demnach eine vergleichbare Infraschallbelastung wie 27 Jahre Wohnen neben einem Windrad.

In vielen Regionen drehen sich Windkraftanlagen bereits seit Jahrzehnten. Erhöhte gesundheitliche Schäden, die eindeutig auf Windkraftanlagen zurückgeführt werden können, sind dort nicht bekannt.

B. Schattenschlag

Der Schattenwurf einer Windkraftanlage darf bestimmte Grenzwerte nicht überschreiten: Als zulässig gelten maximal 30 Minuten pro Tag und 30 Stunden im Jahr.

Bei Bewölkung oder entsprechenden Sonnenständen entsteht kein relevanter Schattenwurf. Bezogen auf die rund 8.760 Stunden eines Jahres handelt es sich um einen sehr kleinen Zeitraum. Für diese wenigen Situationen kann gegebenenfalls ein Vorhang geschlossen oder der Raum gewechselt werden.

Das Argument des Schattenschlags wird daher aus meiner Sicht deutlich überbewertet.

C. Lautstärke von Windenergieanlagen

Für Windenergieanlagen gelten in Deutschland strenge gesetzliche Vorgaben zum Schallschutz. Gleichzeitig wurden die Anlagen technisch weiterentwickelt: leisere, teilweise getriebelose Gondeln, verbesserte Flügelsteuerung, aerodynamisch optimierte Rotorblätter sowie gezackte Hinterkanten der Rotorblätter, reduzieren die Geräuschentwicklung.

Bei Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte ist eine erhebliche Lärmbelastung von Wohngebäuden nicht zu erwarten. Zum Vergleich: Ein vorbeifahrendes Auto auf unserer Landstraße kann deutlich lauter sein.

D. Abrieb der Rotorblätter und Mikroplastik

Auch beim Betrieb von Windkraftanlagen entsteht Abrieb an den Rotorblättern. Nach den genannten Berechnungen verliert ein Rotorblatt jährlich etwa 30 bis 540 Gramm Material. Für deutsche Anlagen ergibt sich daraus eine Größenordnung von rund 1.400 Tonnen Abrieb pro Jahr. Auch hier muss man die Größenordnung ins Verhältnis setzen:
Reifenabrieb in Deutschland: etwa 100.000 Tonnen pro Jahr, Schuhsohlenabrieb: etwa 9.000 Tonnen pro Jahr, Kunststoffverbrauch allein für Getränke- und Lebensmittelverpackungen: mehrere Millionen Tonnen pro Jahr.

Der Beitrag von Rotorblattabrieb zur gesamten Mikroplastikbelastung ist daher vergleichsweise gering.

  1. „Verschandelung der Landschaft“

Windkraftanlagen verändern selbstverständlich das Landschaftsbild. Das sollte man nicht schönreden.

Gleichzeitig zeigt die Erfahrung aus zahlreichen anderen Regionen, dass sich die Menschen mit der Zeit an die Anlagen gewöhnen. Eine Landschaft mit Windkraftanlagen ist nicht automatisch eine „Industrielandschaft“.

Die Frage ist vielmehr, wie wir unsere Landschaft gestalten und welche Form der Energiegewinnung wir für unsere Zukunft akzeptieren.

  1. Kosten ohne Nutzen?

Wenn Waldbesitzer oder Investoren Windkraftanlagen errichten, müssen sie die erheblichen Investitionskosten selbst tragen. Niemand investiert freiwillig Millionenbeträge in eine Anlage, wenn an einem Standort dauerhaft kein wirtschaftlicher Betrieb möglich ist.

Außerdem sind die Windverhältnisse am Boden nicht mit denen in 180 Metern Höhe vergleichbar. Moderne Windkraftanlagen können bereits bei relativ niedrigen Windgeschwindigkeiten Strom erzeugen.

Auch mögliche Abschaltzeiten werden bei der Planung und Wirtschaftlichkeitsberechnung berücksichtigt. Dafür gibt es inzwischen jahrzehntelange Erfahrungswerte.

  1. Werteverlust oder Zukunftschance?

Ich sehe es genau umgekehrt: Die Zukunft der Gemeinde Wald könnte gefährdet sein, wenn wir keine regionale Energiegewinnung anbieten können.

Ein preisgünstiges und verlässliches Energieangebot vor Ort wird zunehmend zu einem wichtigen Standortfaktor – für Unternehmen ebenso wie für private Haushalte.

Der Energiebedarf unserer Gesellschaft wird weiter steigen. Deshalb brauchen wir einen sinnvollen Energiemix aus Photovoltaik, Biogas, Windkraft und weiteren erneuerbaren Energien.

Wenn beispielsweise die Sonne nicht scheint, kann der Wind wehen. Wenn der Wind nicht weht, können andere Energiequellen einspringen. Ein hohes regionales Energieangebot kann dazu beitragen, die Abhängigkeit von externen Energieimporten zu reduzieren und langfristig wettbewerbsfähige Energiepreise zu ermöglichen.

Windkraftanlagen können deshalb auch ein Zeichen dafür sein, dass eine Region offen für neue Entwicklungen ist und ihrer Zukunft einen hohen Stellenwert einräumt.

  1. Lebensräume und Vogelsterben

Es ist richtig, dass durch Windkraftanlagen Vögel zu Schaden kommen. Diese Tatsache sollte nicht verschwiegen werden. Gleichzeitig muss man die Zahlen in Relation zu anderen menschengemachten Ursachen setzen. Genannt werden beispielsweise:
durch Auto- und Bahnverkehr: etwa 17 Millionen Vögel jährlich, durch Hauskatzen: etwa 90 Millionen
durch Glasscheiben: etwa 110 Millionen.

Windkraftanlagen sind damit zwar eine zusätzliche Gefahrenquelle, stellen aber im Vergleich zu anderen menschengemachten Ursachen einen relativ kleinen Anteil dar.

Das bedeutet nicht, dass Vogelschlag akzeptiert werden sollte. Im Gegenteil: Es muss weiter daran gearbeitet werden, die Auswirkungen zu minimieren. Moderne automatische Abschaltsysteme können beispielsweise eingesetzt werden, wenn sich bestimmte Vogelarten oder Vogelschwärme einer Anlage nähern.

Das Ruhestetter Ried und der sogenannte Nachlauf

Die Behauptung, dass der Nachlauf von Windkraftanlagen zu einer relevanten Austrocknung oder Veränderung der Feuchtigkeit im Ruhestetter Ried führen wird, halte ich für nicht überzeugend belegt.

Die wesentlich größere und bereits heute sichtbare Bedrohung für Natur, Tiere und Menschen ist der fortschreitende Klimawandel. Windkraftanlagen können zwar nicht allein das Klimaproblem lösen, sie können aber einen Beitrag dazu leisten, fossile Energieträger zu ersetzen und den CO₂-Ausstoß zu reduzieren.

Auch das Argument, Windkraftanlagen würden durch den Entzug von Windenergie den Boden stärker austrocknen, erscheint mir nicht schlüssig. Jeder Landwirt weiß, dass Wind ein wesentlicher Faktor für die Austrocknung des Bodens ist. Wenn Windenergieanlagen dem Wind tatsächlich einen Teil seiner Energie entziehen, wäre daraus eher eine Verringerung als eine Verstärkung der Austrocknung abzuleiten.

  1. Recycling der Windkraftanlagen

Ein häufig genanntes Argument gegen Windkraft ist die angeblich fehlende Recyclingfähigkeit der Anlagen. Rotorblätter werden nicht regulär einfach vergraben. Für ihre Entsorgung und Verwertung gelten entsprechende Vorgaben. Sie können beispielsweise zerkleinert und als Bestandteil in anderen Materialien, unter anderem in der Zement- und Betonindustrie, eingesetzt werden.
Auch die übrigen Bestandteile einer Windkraftanlage – insbesondere Stahl, Beton und weitere Metalle – können weitgehend wiederverwertet werden.

Insgesamt lässt sich ein sehr großer Anteil einer Windkraftanlage stofflich oder anderweitig verwerten.

  1. Abholzen des Waldes

Für den Bau einer Windkraftanlage wird tatsächlich Waldfläche benötigt. Für die Errichtung und den Bau werden zeitweise größere Flächen beansprucht; ein erheblicher Teil davon kann nach Abschluss der Bauarbeiten wieder aufgeforstet werden. Dauerhaft versiegelt ist im Wesentlichen die Fundamentfläche.

Entscheidend ist außerdem, welche Waldflächen tatsächlich betroffen sind. Windkraftanlagen werden nicht automatisch in alten, naturnahen Waldbeständen errichtet, sondern in Forsten mit in der Regel Fichtenbeständen. Bei der Standortplanung können bereits vorhandene Wege und forstwirtschaftlich genutzte Flächen berücksichtigt werden.

Wenn wir uns unseren Wald anschauen, sehen wir bereits heute große Freiflächen durch:
reguläre Holzernte, Sturmbruch, Borkenkäferbefall, Dürre und weitere Folgen des Klimawandels.

Die Flächen, die für Windkraft benötigt werden, müssen deshalb immer in Relation zum gesamten Waldverlust durch Klimawandel und andere Ursachen betrachtet werden.

Die notwendige Wiederaufforstung kann gleichzeitig eine Chance sein: Statt geschädigte Fichtenbestände einfach wieder aufzubauen, kann ein stabiler, klimaresilienter Mischwald entstehen – mit höherem Erholungswert für Menschen und vielfältigeren Lebensräumen für Tiere.
Auch beim Bau von Windkraftanlagen sollte darauf geachtet werden, Eingriffe in die Natur so gering wie möglich zu halten und vorhandene Waldwege zu nutzen.

Gut ausgebaute Wege könnten nach Abschluss der Bauarbeiten möglicherweise auch für den Radverkehr genutzt werden und damit den Freizeitwert des Waldes erhöhen.

Was hat die Gemeinde Wald davon?

Für eine lebenswerte Zukunft in Wald brauchen wir eine zukunftsfähige Energieversorgung.
Dabei geht es nicht nur um Klimaschutz, sondern auch um konkrete finanzielle Vorteile für unsere Gemeinde. Bei gut verhandelten Bedingungen und einem konstruktiven Miteinander zwischen Gemeinde und Waldbesitzern könnten zusätzliche Einnahmen entstehen.

Nach § 6 EEG können Kommunen beispielsweise finanziell an den Erträgen von Windenergieanlagen beteiligt werden. Bei einer angenommenen Stromproduktion von rund 120 Millionen kWh pro Jahr könnten bereits 0,2 Cent pro Kilowattstunde eine wichtige Unterstützung für die Gemeindekasse darstellen.

Hinzu kommt die mögliche Gewerbesteuer. Als Größenordnung werden beispielsweise für einen Standort wie Bingen mit acht Anlagen und insgesamt 33,6 MW Einnahmen von etwa 220.000 bis 450.000 Euro pro Jahr genannt.

Diese zusätzlichen Einnahmen kann die Gemeinde Wald gut gebrauchen.

Für unsere Schulen, Kindergärten, Straßen und Infrastruktur, Freizeitangebote und weitere kommunale Aufgaben.

Deshalb geht es bei der Frage der Windkraft nicht nur darum, ob wir Windräder sehen möchten oder nicht. Es geht darum, wie wir unsere Gemeinde für die nächsten Jahrzehnte aufstellen wollen.

Eine verlässliche regionale Energieversorgung ist dafür ein wichtiger Baustein. Windkraft kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. Zusätzliche Einnahmen für Schule, Kindergarten und Infrastruktur – für eine zukunftsfähige Gemeinde Wald.

Andrea Bogner-Unden
MdL a.D