Vortrag und Buchvorstellung mit und von Wolfgang Höschele

29.06.2017: (PM) Geographieprofessor und Wirtschaftswissenschaftler stellt seine Vision einer neuen Wirtschaft der „Lebensfülle“ vor

Auf Einladung des Kreisverbandes Sigmaringen von Bündnis 90 / Die Grünen hielt der Wirtschaftsgeograph Dr. Wolfgang Höschele am letzten Dienstag in der Alten Schule in Sigmaringen einen fesselnden Vortrag, wie eine „Wirtschaft der Lebensfülle“ die ökologische Krise überwinden kann und zudem nachhaltig, sozial ausgeglichen und freiheitlich ist.

Von der grundlegenden Frage ausgehend: “Wozu dient die Wirtschaft?“ entwickelte der Wissenschaftler sein Konzept. Wirtschaft, so sein Resümee, ist nicht Selbstzweck, sondern muss zum Wohlbefinden der Menschen beitragen. Zu Zufriedenheit und Glück brauchen wir intakte Ökosysteme, gesunde soziale Beziehungen sowie die Förderung und Wertschätzung der Persönlichkeit und geistige Ruhe. Dieses psychologische Gleichgewicht ist ebenfalls elementarer Bestandteil der Lebensfülle. Der Zweck der Wirtschaft sollte es sein, dass alle Menschen gut leben können und trotzdem die Grundlagen des Lebens bewahrt werden. „Dieses Thema geht uns alle an und ist viel zu wichtig, um es allein Wissenschaftlern zu überlassen“, so der Referent.

Herr Höschele unterzog die gegenwärtige Wirtschaft einer kritischen Systemanalyse, beleuchtete dabei die Wechselbeziehungen in negativer und positiver Richtung zwischen Staat, Allgemeinheit, Marktproduzenten und vor allem den Eigentümern und Finanzmärkten. Dabei ging es ihm vor allem darum, dass sich die bisher verpflichtungslosen Eigentümer (z.B. Aktionäre) sich zu verpflichteten, Verantwortung übernehmenden Eigentümern wandeln. Dabei sollten Eigentumsrechte beschränkt und mit neuen Verpflichtungen belastet und Unternehmensgewinne als reiner Selbstzweck in dieser extremen Form eingedämmt werden.

In diesem Zusammenhang wies der Doktor auf den Artikel 14 des Grundgesetzes hin: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen“. Gerade verpflichtungslose Eigentümer und die Finanzmärkte entziehen der Gesellschaft die Ressourcen, die sie zum Leben braucht. Sind diese Transformationen gegeben, entfällt auch der ständige Wachstumsdruck.

Desweitern soll ein selbstbestimmter Gemeinwohldienst mit z.B. 20 Wochenstunden für eine dem Gemeinwohl dienende Tätigkeit und gerechter Entlohnung vor allem Menschen in schwierigen Beschäftigungsverhältnissen helfen, zumindest in der halben Arbeitszeit eine selbstbestimmtere, sinnvollere, uns allen dienende Tätigkeit ausüben zu können.

Wesentlich zur Umwandlung dieser Ziele soll auch eine Förderung demokratischer Verfahren zu Entscheidungsfindungen im Sinne einer politischen Willensbildung auf breitester Basis dienen.

Sie lassen Kreativität den nötigen Spielraum und die Bedürfnisse aller Betroffenen werden dabei berücksichtigt. „Ziel unseres Lebens kann nicht endloses Wachstum sein, sondern ein erfülltes, glückliches Leben, das nur mit einer anderen Art des Wirtschaftens erreicht werden kann“, so das Fazit des Referenten.

Auf die Frage eines Zuhörers, dass diese Ziele wohl noch einen langen und schweren Weg erfordern, antwortete Dr. Höschele: „Ja sicher, aber den Mount Everest bezwingt man auch nicht mit Badeschlappen“

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